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Pfahlgründungsbemessung in Braunschweig: Tragfähigkeit im Lockergestein

Solide Grundlagen. Solide Entscheidungen.

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Zwischen dem sandigen Hochufer bei Riddagshausen und den weichen Aueböden entlang der Oker liegen Welten, was den Baugrund angeht. In Braunschweig bestimmen quartäre Lockergesteine – Schmelzwassersande, Geschiebemergel und holozäne Auelehme – die Machbarkeit einer Tiefgründung. Die Pfahlgründungsbemessung muss diese Wechsellagerungen präzise abbilden, denn ein Rammpfahl in 18 Metern Tiefe auf tragfähigem Sand verhält sich völlig anders als eine Bohrpfahlgruppe im setzungsempfindlichen Auelehm. Wir kombinieren dabei die Ergebnisse aus der SPT Bohrung mit Laborversuchen zur Mantelreibung, weil die DIN 1054 für Braunschweiger Verhältnisse oft konservative Erfahrungswerte liefert, die mit lokalen Erkundungsdaten kalibriert werden müssen. Der Grundwasserstand, in der Innenstadt oft nur 2 Meter unter GOK, erfordert zudem eine sorgfältige Bewertung der Auftriebseffekte und der möglichen Filterstabilität im Pfahlfußbereich. Ohne eine an die lokale Geologie der Okerniederung angepasste Bemessung entstehen entweder unwirtschaftliche Überdimensionierungen oder unkalkulierbare Setzungsrisiken im Endzustand.

Die Mantelreibung im Geschiebemergel ist keine Konstante – sie hängt in Braunschweig entscheidend vom lokalen Kalkgehalt und der Überkonsolidierung ab.

Unsere Leistungsbereiche

Vorgehen und Leistungsumfang

In Braunschweig sehen wir regelmäßig, dass die Steifigkeit des Geschiebemergels stark mit dem Kalkgehalt variiert – ein Detail, das in Standard-Bemessungstabellen untergeht. Eine Pfahlgründungsbemessung, die ausschließlich auf regionalen Erfahrungswerten fußt, übersieht diese kleinräumigen Unterschiede und führt zu unrealistischen Mantelreibungsansätzen. Wir setzen deshalb auf eine iterative Bemessung, die Pfahlprobebelastungen oder zumindest CPT Versuch-Profile mit den Laborparametern aus der Korngrößenanalyse und den Atterberg Grenzen abgleicht. So entsteht ein wirklichkeitsnahes Last-Verformungsverhalten für jeden einzelnen Pfahl. Gerade bei horizontal beanspruchten Pfählen, etwa unter Windlasten in den Hochhauslagen am Ring, wird die Bettungsmodulverteilung im oberflächennahen, oft aufgefüllten Horizont zum kritischen Faktor. Die Auswertung erfolgt durchgängig nach EC 7-1 in Verbindung mit den nationalen Anhängen der DIN EN 1997-1, ergänzt um die Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“ (EA-Pfähle) für die spezifischen Braunschweiger Quartärprofile.
Pfahlgründungsbemessung in Braunschweig: Tragfähigkeit im Lockergestein
Technische Referenz — Braunschweig

Lokaler geotechnischer Kontext

Ein 11-geschossiges Bürogebäude nahe dem Bahnhofsviertel, gegründet auf 22 Meter langen Bohrpfählen. Die Baugrunduntersuchung zeigte unterhalb von 16 Metern eine Mudde-Linse, die bei keiner der umliegenden Bohrungen angetroffen wurde. Wäre diese Schwachschicht unentdeckt geblieben, hätte die Pfahlgründungsbemessung eine falsche Sicherheit vorgespiegelt – die differentiellen Setzungen hätten den Rohbau innerhalb von Monaten beschädigt. In Braunschweig sind solche verborgenen Rinnenstrukturen im Quartär keine Seltenheit. Eine rein analytische Bemessung ohne dichtes Erkundungsraster nach DIN 4020 und ohne kritische Prüfung der Schichtenkontinuität ist hier ein planerisches Glücksspiel. Wir sichern unsere Bemessung deshalb durch ein lückenloses geotechnisches Modell ab, das die räumliche Variabilität der Schichtgrenzen berücksichtigt und die Pfahltragfähigkeit über numerische Verfahren verifiziert, bevor die erste Bewehrungskorb bestellt wird.

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Maßgebliche Normen

DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7: Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik), DIN 1054:2010-12 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), EA-Pfähle (Empfehlungen des Arbeitskreises „Pfähle“, 2. Auflage), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke), DIN EN 12699:2015-07 (Ausführung von Arbeiten im Spezialtiefbau – Verdrängungspfähle)

Technische Parameter

ParameterTypischer Wert
Angewandtes RegelwerkDIN EN 1997-1 (EC 7) mit DIN 1054:2010-12
Pfahltypische Erkundungstiefe15 m bis 35 m unter Ansatzpunkt
Berücksichtigte BodenartenSchmelzwassersande, Geschiebemergel, Auelehm, Mudde
Mantelreibungsansatz Sand (qc-basiert)80 kN/m² bis 160 kN/m² charakteristisch
Spitzendruck Pfahlfuß (diluvialer Sand)2,5 MN/m² bis 5,0 MN/m² (aufnehmbar)
Setzungsberechnung NachweisLast-Setzungslinie nach EA-Pfähle, Kap. 5
Horizontale Bettung im Auelehm3 MN/m³ bis 8 MN/m³ (je nach Konsistenz)
NachweisverfahrenDIN 1054: TE 2 und TE 3 (Erfahrungswerte)

Häufige Fragen

Welche Pfahlsysteme eignen sich für den Baugrund in Braunschweig?

In den überwiegend sandig-kiesigen Quartärablagerungen Braunschweigs kommen vor allem Bohrpfähle mit durchgehender Verrohrung und Vollverdrängungspfähle zum Einsatz. Bei Geschiebemergel mit hoher Festigkeit bieten sich Schneckenbohrpfähle an. Rammpfähle sind aufgrund der innerstädtischen Erschütterungsgrenzwerte nur außerhalb der Wohnbebauung wirtschaftlich vertretbar. Die Entscheidung fällt nach einer detaillierten Drucksondierung und laborativen Bestimmung der Kornverteilung.

Wie tief müssen Pfähle in der Okeraue abgesetzt werden?

In der Okeraue liegen tragfähige diluviale Sande und Kiese häufig erst in Tiefen zwischen 14 und 22 Metern. Die Pfahlgründungsbemessung muss die weichen, setzungsempfindlichen Auelehme und Mudden durchörtern, bis ein ausreichender Spitzendruck und Mantelreibungswiderstand im liegenden Sandhorizont mobilisiert werden kann. Eine Baugrunderkundung bis mindestens 3 Meter unter Pfahlfuß ist nach DIN 1054 zwingend erforderlich.

Mit welchen Kosten muss ich für eine Pfahlgründungsbemessung rechnen?

Für die geotechnische Erkundung und vollständige Pfahlgründungsbemessung eines typischen Mehrfamilienhauses in Braunschweig liegt der Kostenrahmen erfahrungsgemäß zwischen €1.320 und €6.090, abhängig von Anzahl und Tiefe der erforderlichen Aufschlüsse, dem Umfang der Laborversuche und der Komplexität des statischen Modells. Der genaue Preis richtet sich nach dem individuellen Erkundungsumfang gemäß geotechnischer Kategorie nach EC 7.

Berücksichtigen Sie negative Mantelreibung bei der Bemessung?

Ja, die negative Mantelreibung ist ein zentraler Lastfall in Braunschweig. Viele innerstädtische Grundstücke weisen mehrere Meter mächtige Auffüllungen auf, die sich setzen und dadurch eine abwärts gerichtete Reibungskraft auf den Pfahl ausüben. Wir quantifizieren diesen Effekt über die Zusammendrückungsmoduln aus dem Ödometerversuch und setzen die resultierende Zusatzlast gemäß EA-Pfähle an.

Wann ist eine Pfahlprobebelastung in Braunschweig sinnvoll?

Bei Großprojekten mit mehr als 50 Pfählen oder wenn die Erkundung ungewöhnlich wechselhafte Schichtgrenzen zeigt, empfehlen wir statische axiale Probebelastungen. Das ist oft der Fall im Übergangsbereich zwischen der diluvialen Hochfläche und der Okeraue. Die gemessenen Last-Setzungslinien erlauben eine wirtschaftlichere Bemessung, da die tatsächliche Grenztragfähigkeit in der Regel über den konservativen Tabellenwerten der DIN 1054 liegt.

Standort und Servicegebiet

Wir betreuen Projekte in Braunschweig und seinem Großraum.

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